Der Schiffsfonds „Nordcapital Bulkerflotte 1“ ist einer der größten
deutschen Schiffsfonds – und er wurde zu einem Zeitpunkt aufgelegt, als
sich die Krise der Containerschifffahrt schon deutlich abzeichnete.
Trotzdem fand die Deutsche Bank noch Interesse an einem Vertrieb und
erlag wohl auch dem Provisionsdruck. Rechtsanwalt Dr. Pforr: „Aufgrund
der sich abzeichnenden Krise und der Kenntnis darüber hätte man vom
Verkauf dieses Fonds Abstand nehmen sollen, gerade wenn man die größte
Bank im Privatkundensektor ist! Als seriöser Vermittler und
Anlageberater konnte man hier wohl kaum echte Gewinnerwartungen
definieren.“
Doch die Anlagerberater der deutschen Bank leisteten
ganze Arbeit – und verdienten damit einiges an Geld. Über 5600 Anleger
beteiligten sich mit Mindesteinlagen in Höhe von 15.000 US-Dollar am
Fonds Nordcapital Bulkerflotte 1. Das böse Erwachen folgte mit der
Insolvenz des koreanischen Reeders und den daraus folgenden
Einnahmeausfällen. Im Rahmen eines Sanierungskonzeptes pulverten die
Anleger nochmals 20 Millionen US Dollar in flache Sanierungsversprechen.
Die
Landgerichte Heilbronn und Frankfurt mussten sich bereits mit dem Thema
Schadensersatz in dieser Hinsicht befassen. Mit wenig Glück auf Seiten
des Vermittlers und Beraters, dafür aber zu Recht mit Erfolg auf Seiten
des Anlegers.
Zwar sind die Schiffe noch unterwegs, an echter
Wirtschaftlichkeit segeln die acht Einschiffsgesellschaften MS E.R.
Basel, MS E.R. Bern, MS E.R. Bornholm, MS E.R. Bergamo, MS E.R. Bologna,
MS E.R. Bilbao, MS. E.R. Brest und MS E.R. Barcelona allerdings weit
vorbei.
Die Gesellschaft MS E.R. Barcelona hat mittlerweile als
erstes und wohl auch nicht letztes Schiff des Fonds Schlagseite bekommen
und den Weg zum Insolvenzgericht antreten müssen. Das zuständige
Amtsgericht Lüneburg hat am 11. April das vorläufige Insolvenzverfahren
unter dem Aktenzeichen 46 IN 33/16 eröffnet.
Dr. Pforr: „174
Millionen Anleger-Kapital sind wahrscheinlich bildlich gesprochen
verbrannt und ob am Ende etwas mehr als Asche übrig bleibt, ist
abzuwarten! Die Bulkerflottenanteile werden nur noch zu 1,5 % des
ursprünglichen Einkaufspreises am Zweitmarkt gehandelt – das könnte ein
wirklicher Totalausfall werden!“